Zwischen Kreißssaal und Hörsaal
Wer heute Hebamme werden will, muss dafür studieren. Was macht die Akademisierung mit einer Arbeit, die intimer nicht sein könnte?
Oranges Licht durchflutet den Kreißsaal 2, die Jalousien sind zugezogen, es ist warm, die Uhr zeigt halb sieben Uhr morgens an diesem Dienstag im Mai. Alle paar Minuten durchbricht ein Schrei die Stille. Seit zweieinhalb Stunden krümmt sich eine Frau im Krankenhausbett vor Schmerzen, gleich wird sie ihr erstes Kind bekommen. Lara nimmt die krampfenden Füße der Schwangeren in die Hände, massiert ihre Fersen, einzelne Zehen. "Tief ein- und ausatmen, ganz runter bis zum Schmerz", sagt Lara mit ruhiger Stimme. Ihre blonden Haare sind locker zu einem Zopf gebunden, auf ihrem blauen Kasack sind die Buchstaben LMU gestickt, die Initialen des Klinikums der Universität München. Das Kind aus dem Kreißsaal 2 wird das vierte Kind sein, dem sie auf die Welt hilft.
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Foto: Anastasia Kraynyuk